Wie bereiten sich Finanzinstitute und andere Marktakteure auf die Migration von Exceptions & Investigations (E&I) auf ISO 20022 vor? Dieser Frage ist DPS im Frühjahr 2026 mit einer Marktbefragung unter Finanzinstituten, SWIFT-Bureaus, Rechenzentren sowie Software- und Lösungsanbietern nachgegangen. Die Ergebnisse wurden jüngst in der aktuellen Ausgabe der ibi insights veröffentlicht.
Die Auswertung zeigt ein differenziertes Bild. 44 % der Befragten planen eine vollständige Umstellung auf ISO-20022-basierte E&I-Nachrichten bis November 2026. Ein Viertel verfolgt einen gestuften Migrationsansatz, bei dem zunächst die passive Erreichbarkeit sichergestellt und die native Verarbeitung zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden soll. Weitere 25 % verfügen derzeit über keine belastbare zeitliche Planung.

Abbildung 1: Geplante Umsetzungszeitpunkte für E&I – Gesamtmarkt; Quelle: DPS-Marktbefragung, Frühjahr 2026
Auch bei der technischen Umsetzung zeichnet sich kein einheitliches Zielbild ab. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer (56 %) setzt auf eine camt-basierte Integration, während 31 % ihre technische Zielarchitektur zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht abschließend festgelegt hatten. API-basierte Anbindungsmodelle spielten mit 13 % eine untergeordnete Rolle.

Abbildung 2: Technische Anbindung – camt, APIs und offene Planungen; Quelle: DPS-Marktbefragung, Frühjahr 2026
Ein Blick auf die Antworten der Finanzinstitute zeigt ein etwas klareres Bild als im Gesamtmarkt. Die Hälfte der befragten Institute plante eine vollständige Umstellung bis November 2026. Gleichzeitig hatte jedoch jedes fünfte Haus seine Migrationsplanung noch nicht abgeschlossen. Bei der Auswahl der künftigen E&I-Lösung dominierten Eigenentwicklungen (50 %), während 30 % auf externe Softwarelösungen setzten.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Marktteilnehmer die E&I-Migration mit unterschiedlichen Strategien angehen. Während einige ihre Zielarchitektur bereits konkretisiert hatten, befanden sich andere noch in einer frühen Planungs- oder Evaluierungsphase. Erstmals liefert die Befragung damit einen belastbaren Einblick in die Migrationsplanung unterschiedlicher Marktakteure.
Die vollständige Einordnung der Ergebnisse sowie der aktuellen SWIFT-Roadmap hat unser Payments-Experte Tobias Münsterberg in einem Fachbeitrag für die aktuelle Ausgabe 1/2026 der ibi insights von ibi research vorgenommen. Darin erläutert er die fachlichen Veränderungen durch das neue Case-basierte E&I-Modell, die Einführung strukturierter Investigation Use Cases sowie die Auswirkungen auf Prozesse und Systemlandschaften im Zahlungsverkehr.