Von Philipp Königs
Sechs Tage, drei Länder, unzählige Gespräche: Gemeinsam mit einer hessischen Wirtschaftsdelegation unter Leitung von Staatsminister Manfred Pentz war ich für DPS in Ruanda, Tansania und Kenia unterwegs. Ziel der vom Hessischen Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales und Entbürokratisierung organisierten Reise war es, wirtschaftliche Kontakte zwischen Hessen und Ostafrika auszubauen und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten.
Kigali hat mich mit seiner Organisation, seiner jungen Bevölkerung und einer spürbaren Aufbruchsstimmung beeindruckt. In Dar es Salaam habe ich erlebt, wie internationale Investitionen, lokale Wertschöpfung und der Blick auf einen größeren regionalen Markt zusammenkommen können. Nairobi wiederum präsentierte sich als internationaler Wirtschafts- und Technologiestandort, an dem digitale Infrastruktur mit hoher Geschwindigkeit entsteht.
Drei Länder, drei sehr unterschiedliche Eindrücke. Was ich dabei schnell gemerkt habe: Wer nur auf die einzelnen Länder schaut, sieht nur einen Teil des Bildes. Viele Gespräche drehten sich um die Region als Ganzes – um Handel, Investitionen, digitale Infrastruktur und die stärkere Vernetzung innerhalb der East African Community.
Was ist die East African Community (EAC)?
Die East African Community (EAC) umfasst acht Staaten: Burundi, Demokratische Republik Kongo, Kenia, Ruanda, Somalia, Südsudan, Tansania und Uganda. Zusammen leben dort mehr als 330 Millionen Menschen. Die EAC verfolgt eine stärkere wirtschaftliche und politische Integration und verfügt unter anderem über eine Zollunion und einen gemeinsamen Markt. Mit Ruanda, Tansania und Kenia führte unsere Reise durch drei EAC-Staaten.
Regionale Märkte zusammendenken
Wie konkret die regionale Perspektive für Unternehmen bereits ist, haben wir in Tansania gesehen. Das Knauf-Werk in Dar es Salaam produziert vor Ort, nutzt lokale Rohstoffe und bedient von dort aus den ostafrikanischen Markt. Für mich war das ein greifbares Beispiel dafür, wie deutsches Know-how und lokale Wertschöpfung zusammenkommen können.
Werksbesuch bei Knauf Tanzania in Dar es Salaam: Das Video zeigt Eindrücke vom Besuch der hessischen Wirtschaftsdelegation und von der Produktion vor Ort. (Quelle: Knauf Tanzania)
Auch beim Invest.EastAfrica! Forum in der tansanischen Hauptstadt ging es um die Bedingungen für Investitionen: Infrastruktur und Finanzierung ebenso wie verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen und der Zugang zu regionalen Märkten.
Ruanda, Tansania und Kenia bleiben eigenständige Märkte mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Gleichzeitig werden viele wirtschaftliche Fragen längst über nationale Grenzen hinweg diskutiert. Das war eine Perspektive, die sich durch unsere Reise gezogen hat.
Vom mobilen Bezahlen zu Cross-Border Payments
Für mich als jemand, der sich seit vielen Jahren mit Banking und Zahlungsverkehr beschäftigt, war natürlich besonders interessant, wie selbstverständlich digitales Bezahlen in der Region teilweise funktioniert.
Wer glaubt, Europa müsse Ostafrika zunächst erklären, wie digitales Bezahlen funktioniert, dürfte schnell eines Besseren belehrt werden. Mobile Payments und direkte Account-to-Account-Zahlungen sind vielerorts Alltag. Dem Kellner ein Trinkgeld digital über die Mobilfunknummer schicken, am Kiosk Geld auf das mobile Konto einzahlen oder kleinere Beträge direkt übertragen: Das ist gelebte Praxis.
Interessant wird es an der Grenze.
Die einzelnen Länder haben eigene Payment-Ökosysteme entwickelt. Bei ihrer stärkeren regionalen Vernetzung kommen Themen ins Spiel, die uns bei DPS sehr vertraut sind: Interoperabilität, Cross-Border Payments, Instant Payments und gemeinsame Messaging-Standards.
ISO 20022 als gemeinsame Sprache
Auch ISO 20022 spielt dabei eine wichtige Rolle. Die EAC arbeitet daran, den Standard als gemeinsame Grundlage für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr zu etablieren. Einheitliche Nachrichten und strukturierte Daten erleichtern es, unterschiedliche nationale Zahlungsinfrastrukturen miteinander zu verbinden.
Mit solchen Fragen beschäftigen wir uns im europäischen Zahlungsverkehr seit vielen Jahren: Wie lassen sich gewachsene Zahlungsverkehrsinfrastrukturen verbinden? Wie können gemeinsame Standards die Interoperabilität verbessern? Und wie wird aus technischer Standardisierung am Ende ein besserer grenzüberschreitender Zahlungsverkehr?
Genau hier sehe ich einen interessanten fachlichen Austausch. Ostafrika verfügt über langjährige Erfahrungen mit Mobile Payments und ihrer Integration in den Alltag. Europa wiederum hat über viele Jahre Erfahrungen mit der Harmonisierung grenzüberschreitender Zahlungsinfrastrukturen gesammelt.
Wenn E-Commerce an der Grenze kompliziert wird
Wie konkret das werden kann, wurde mir in einem Gespräch an einem einfachen Beispiel deutlich: Eine Kundin entdeckt über Social Media ein Produkt aus einem anderen ostafrikanischen Land. Weil Zahlung, Logistik und grenzüberschreitende Abwicklung nicht nahtlos zusammenspielen, läuft der Kauf über Bekannte – und das Paket findet schließlich per Bus über die Grenze seinen Adressaten.
Das funktioniert. Es zeigt aber auch, welches Potenzial in einer stärkeren regionalen Vernetzung liegt. Gerade für lokale Händler und kleinere Unternehmen kann ein einfacher zugänglicher grenzüberschreitender Markt neue Kundengruppen erschließen.
Cross-Border Payments sind damit weit mehr als ein technisches Bankenthema. Sie sind ein Baustein für regionalen Handel und E-Commerce.
Digitale Infrastruktur: Nairobi als Beispiel
Einen anderen Teil dieser Entwicklung haben wir zum Abschluss in Nairobi gesehen. Dort besuchten wir ein erst vor wenigen Wochen eröffnetes Rechenzentrum von Digital Realty. Mich hat vor allem die Geschwindigkeit beeindruckt, mit der solche digitale Infrastruktur entsteht.

Besuch im neu eröffneten Nairobi Two Data Center (NBO2) von Digital Realty
Passend dazu wurde während unserer Reise auch die Zusammenarbeit zwischen Hessen und der EAC bei Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz ausgebaut. Im Rahmen des East Africa CEO & Investment Forum in Nairobi wurde eine entsprechende KI- und Digitalpartnerschaft vereinbart.
Für mich liegt genau darin ein sinnvoller Ansatz für die weitere Zusammenarbeit: nicht fertige europäische Lösungen zu übertragen, sondern dort anzusetzen, wo sich Erfahrungen und Kompetenzen ergänzen und daraus gemeinsame Projekte und Geschäftsmodelle entstehen können.
Was ich von der Reise mitnehme
Für DPS nehme ich vor allem einen fachlichen Auftrag mit nach Frankfurt: Wir wollen uns genauer damit beschäftigen, wo unsere Erfahrungen mit komplexen Zahlungsinfrastrukturen, Cross-Border Payments und internationalen Standards an die Entwicklungen in der Region anknüpfen können. Gleichzeitig lohnt sich aus europäischer Perspektive der Blick darauf, wie selbstverständlich digitales Bezahlen in Teilen Ostafrikas bereits zum Alltag gehört.
Für deutsche und hessische Unternehmen insgesamt hat die Reise aus meiner Sicht vor allem eines gezeigt: Wer sich mit Ostafrika beschäftigt, sollte die einzelnen Länder verstehen – aber die regionale Perspektive mitdenken. Das gilt für Banking und Payments genauso wie für digitale Infrastruktur, Logistik, Pharma oder Biotechnologie.
Nach sechs intensiven Tagen in Kigali, Dar es Salaam und Nairobi steht für mich fest: Es war definitiv nicht mein letzter Besuch in Ostafrika.
Mein herzlicher Dank gilt Staatsminister Manfred Pentz und dem gesamten Organisationsteam des Hessischen Ministeriums für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales und Entbürokratisierung. Die Reise hat uns Gespräche und Begegnungen ermöglicht, die sich weder durch Marktstudien noch durch Videokonferenzen ersetzen lassen.
Vielen Dank für die hervorragende Organisation und die vielen Einblicke und Begegnungen, die diese Reise ermöglicht hat.

Unterwegs in Dar es Salaam: Straßenszene aus der tansanischen Wirtschaftsmetropole

Kranzniederlegung durch den hessischen Staatsminister Manfred Pentz am Kigali Genocide Memorial.