SWIFT hat auf die mangelnde Readiness im Markt reagiert und den bisherigen Fahrplan für den ISO 20022 Standards Release 2026 geändert. Die für Mitte November vorgesehenen Payments-Änderungen werden zunächst verschoben; damit entfällt auch der bisherige Stichtag für den verpflichtenden Wegfall vollständig unstrukturierter Adressen. Einen neuen Termin gibt es noch nicht. SWIFT will in den kommenden Wochen Banken, Zentralbanken, Marktinfrastrukturen, Market Practice Groups und Corporates konsultieren und spätestens im Dezember über das weitere Vorgehen informieren.
Die Entscheidung kommt damit nur rund zweieinhalb Monate vor dem ursprünglich vorgesehenen Go-live. Bereits erfolgte Umstellungen auf strukturierte Adressen verlieren dadurch allerdings nicht ihren Nutzen – SWIFT fordert Banken und Marktinfrastrukturen ausdrücklich dazu auf, die Einführung weiter voranzutreiben. Kurzfristiger Anpassungsbedarf kann vielmehr dort entstehen, wo Institute ihre Verarbeitung bereits vollständig auf strukturierte Adressen ausgerichtet haben: Eingehende Zahlungen können nun länger als bislang geplant auch vollständig unstrukturierte Adressdaten enthalten.
Erste Einordnung der Auswirkungen
Aus Sicht des Zahlungsverkehrs dürfte nun vor allem entscheidend sein, wie die eng mit CBPR+ verzahnten Marktinfrastrukturen reagieren. DPS-Partner Carsten Lange und Tobias Münsterberg, Manager bei DPS, verweisen insbesondere auf TARGET2, SEPA und SIX Clearing: In den kommenden Tagen muss sich zeigen, ob und wie die jeweiligen November-Änderungen an den neuen SWIFT-Fahrplan angepasst werden. Unterschiedliche Zeitpläne könnten zusätzliche Komplexität schaffen – beispielsweise wenn eingehende CBPR+-Zahlungen und die anschließende SEPA-Verarbeitung unterschiedlichen Anforderungen an Adressdaten unterliegen.
Nach dem, was derzeit aus dem Markt zu vernehmen ist, lag es offenbar nicht an mangelnder Readiness des deutschsprachigen beziehungsweise europäischen Marktes. SWIFT selbst verweist auf eine weltweit uneinheitliche Vorbereitung und darauf, dass große Teile der Branche über alle Regionen hinweg die Anforderungen noch nicht erfüllen können.
Auch Exceptions & Investigations (E&I) sind von der Neuplanung betroffen. Die Investigation-Nachrichten camt.110 und camt.111 sind keine Payment-Nachrichten und fallen nach erster Einordnung damit unter die von SWIFT separat behandelten weiteren Bereiche. E&I-Experte Tobias Münsterberg geht deshalb davon aus, dass der nächste E&I-Schritt mit camt.110 und camt.111 in das erste Quartal 2027 rückt.
Mögliche Verzögerungen bei T+1 Projekten
Auswirkungen hat die Entscheidung auch auf den Bereich Capital Markets. „Die von der strukturierten Adresse unabhängigen Anpassungen im Zusammenhang mit dem Großprojekt T+1 werden ebenfalls in das erste Quartal 2027 verschoben“, sagt Ulrike Uitz, Partnerin bei DPS. Dies könne zu Verzögerungen in laufenden Projekten führen, die bislang davon ausgegangen seien, dass die neuen Strukturen bereits ab November 2026 zur Verfügung stehen.
Damit dürfte erst in den kommenden Tagen klarer werden, wie weit die Auswirkungen der Entscheidung tatsächlich reichen. Insbesondere die Reaktionen der anderen Marktinfrastrukturen werden zeigen, ob die bislang eng aufeinander abgestimmten November-Releases weiterhin synchronisiert bleiben. Für die strukturierten Adressen will SWIFT spätestens im Dezember einen neuen Fahrplan vorlegen.